Aalto Ballett Essen

Spielzeit 2015/2016: Wiederaufnahmen

Ballett in zwei Akten
Musik von Adolphe Adam
arrangiert von David Coleman

Choreographie, Konzept und Inszenierung David Dawson
Einstudierung Tim Couchman, Raphal Coumes-Marquet
Musikalische Leitung Johannes Witt
Bühne Arne Walther
Kostüme Yumiko Takeshima
Licht Bert Dalhuysen
Dramaturgie Freya Vass-Rhee
Orchester Essener Philharmoniker
Wiederaufnahme 27. Februar 2016


GISELLE – Ballett von David Dawson, Musik von Adolphe Adam, arrangiert von David Coleman from Theater-TV on Vimeo.


Ihr Antlitz, obgleich schneeweiß, ist jugendlich schön, diese todten Bacchantinnen sind unwiderstehlich.
Heinrich Heine

Heines Beschreibung der nächtlichen Geistergeschöpfe inspirierte Théophile Gautier zu einem Szenarium, das im Laufe der Geschichte zum Archetypus des romantischen Balletts avancieren sollte. Den slawischen Volkssagen entlehnten Wilis stellte der erfahrene Librettist Henri Veroy de Saint-Georges, der Gautier zur Seite stand, im ersten Akt die Geschichte des armen Bauernmädchens Giselle voran, die durch ihre unglückliche Liebe zu Albrecht in den Tod getrieben wird.
Mit ihren dualistischen Bildern gilt Giselle seit mehr als 160 Jahren als das unbestrittene Meisterwerk des romantischen Balletts. Die Neuschöpfung des berühmten Klassikers durch David Dawson, einen der weltweit gefragtesten Choreographen, löst die Geschichte aus den gesellschaftlichen Bedingungen des 19. Jahrhunderts und zeigt den Stoff in seiner Zeitlosigkeit.
Giselle ist ein Werk, das versucht, das Gewöhnliche und das Außergewöhnliche der Liebe sowie deren unvergesslich bleibenden Verlust zu erforschen. Eine solche Liebe fordert jedoch Opfer und Verantwortung. Ebenso wie der Glaube, der, durch Generationen weitergereicht, am Leben gehalten wird, sind die Folgen des Liebesverrats nicht nur persönlich und zeitlich begrenzt, sondern universell und fortwährend. Giselle findet sich nach ihrem Tod in einer racheerfüllten Schattenwelt wieder und muss eine Entscheidung treffen, die aus der klassischen Literatur bekannt ist: Gerechtigkeit oder Gnade?
Der Schlüssel zur Interpretation einer der wichtigsten weiblichen Rollen des klassischen Kanons ist, wie Giselle diese Wahl trifft: Sie mag äußerlich eine Wili geworden sein, in ihrem Herzen ist sie es aber nicht. Als Opfer Albrechts muss sie in ihrer Großherzigkeit überzeugen, auch wenn dieser sich erst mit ihrem Tod seiner Gefühle für sie bewusst wird. Letztendlich rettet sie nicht nur ihn, sondern auch sich selbst, indem sie sich der Rache verweigert und selbst treu bleibt.
Für Dawson sind Giselle, Albrecht und die anderen Charaktere wunderschön in ihrer Jugendlichkeit und leben in einer Welt, die vergleichbar ist mit der der darstellenden Tänzer. Seiner Interpretation legt er neben dem klassischen Tanzvokabular seine ganz persönliche choreographische Stilistik zugrunde. So verbinden sich traditionelle und zeitgenössische Tanztechniken, die Raffinessen des klassischen Balletts greifen kunstvoll ineinander und es entstehen fließende Sequenzen in grenzenlosem Raum.
Die Idee der Universalität und Zeitlosigkeit spiegelt sich in dem Arrangement und der Neuorchestrierung von Adolphe Adams Partitur durch David Coleman, dem klaren Bühnenbild von Arne Walther, den in Form und Erscheinung schlichten Kostümen Yumiko Takeshimas sowie den kontrastierenden Stimmungen des Himmelsbildes im Lichtdesign von Bert Dalhuysen wider.
Wiederaufnahme 27. Februar 2016
Weitere Vorstellungen 12., 20. März; 9. April 2016